DIE RHETORIK DES CHEFS

Ohne Kommunikation geht gar nichts
Führungsaufgabe Nr. 1 ist die Kommunikation. Im Rahmen der hier gemeinten Rhetorik des Chefs geht es weniger um die schriftliche Kommunikation, sondern um das Sprechen vor großem Publikum. Wenn die Ansprache des Chefs einschläfernd ist und er sich auch noch hinter dem Rednerpult versteckt, sollte er besser eine Audiobotschaft mit einem Stick über Lautsprecher abspielen lassen und einstweilen im Büro weiter arbeiten. Die physische Anwesenheit ist bei solchen Reden eher peinlich denn notwendig. Spaß beiseite, es ist bitterer Ernst: Führungskräfte müssen mit Reden mehr tun, als bloßen Ausstoß von Informationsschall erzeugen. Sie müssen etwas beim Auditorium bewirken! Wirken auf Menschen heißt, in den neuronalen Netzen der Gehirne neue Verschaltungen zu produzieren. Einschläfernden Reden fehlt es an Emotionen. Selbst wenn der Inhalt brillant ist, bleiben die Informationen höchstens im Ultrakurzzeitgedächtnis hängen. Aber eben nur für Sekunden und das bei einer stundenlag vorbereiteten Rede. Schon am Abend der Tagung bleibt vom Redner in den neuronalen Netzen der Zuhörer nichts mehr übrig.

Wirkungsvoll reden heißt, Mauern überwinden
Kennen Sie das? Nach einem Event wird über den einen Sprecher noch stundenlang beim Buffet gesprochen. Wie er pointiert die Sache erklärt hat, wie er das Publikum inspiriert und mitgerissen hat. Teile der Rede können sogar noch repliziert werden, weil sie mit einem Witz verknüpft waren. Ein guter Rhetoriker hinterlässt dauerhafte Spuren im Gedächtnis der Menschen. Schon lange Zeit weiß man, dass das menschliche Gehirn für das Merken von reinen Fakten nicht gebaut ist. Fakten, die den Zuhörer nicht direkt betreffen oder emotional berühren, waren für das evolutionäre Weiterkommen uninteressant und werden aus Energiespargründen erst gar nicht in das Merkzentrum vorgelassen. Die Basalganglien beschützen den Hippocampus vor Informationsüberflutungen. Hat die Information nichts mit dem Gehirnbesitzer zu tun, ist sie für ihn nicht neu oder wird sie ohne Emotion ausgesandt, dann ist für die gut gemeinten Informationen bei den Basalganglien Schluss. An den Wächtern des Merkzentrums scheitern auch oft die honorigsten Persönlichkeiten bei großen Festveranstaltungen. Weder sie selbst noch ihre Ansprache bleiben im Gedächtnis. Sie sind nie bis in das Merkzentrum vorgedrungen. Und sind sie nicht in deren Kopf, dann sind sie nirgendwo (frei nach André Heller).

Emotionen brennen sich tief ins Gehirn ein
Es war der 30.9.2005. „Ich weiß es noch ganz genau, als wäre es gestern gewesen!“ Peter erzählt alle Einzelheiten des Ereignisses und alles vorher und danach fast minutiös und detailliert auf. Dieser Tag war ja auch sein emotional prägendster, weil er …. Sie können hier beliebige positive oder negative, aber emotional sehr stark berührende Ereignisse einsetzen. Von solchen Tagen bleibt ohne Lernen und Üben fast alles im Gedächtnis hängen. Im Langzeitgedächtnis wohlgemerkt. Grund genug als Chef für die nächste Rede darüber nachzudenken. Führungskräfte, die emotional aufwühlen, verändern mit deren Botschaften die neuronalen Verschaltungen im Gehirn. Und das nachhaltig im Langzeitgedächtnis. Informationen, welche mit stark positiven Emotionen eingebrannt werden, können ein Leben lang für kreative Lösungen verwendet werden. Negative Emotionen bewirken das Konditionieren neuer Handlungsmuster. Diese sind dann auch gut gelernt, jedoch nur zur Vermeidung des nochmaligen Erlebens dieser negativen Emotion geeignet.

Festung Rednerpult, oder wie verstecke ich mich am besten
Es ist so unglaublich und doch so häufig anzutreffen: Die Redeangst! Professoren, Rektoren, Vorstände, ja sogar Eigentümer von Firmen mit tausend Leuten. Ich kenne keine Babys mit Plapperangst, ich kenne keine Kinder, die nicht ein sensationelles Erlebnis möglichst vielen Menschen erzählen wollen. Irgendwann zwischen Kind sein und Vorstandsdirektor muss es passiert sein. Die negativ emotionale Verknüpfung des Redens vor vielen Menschen, oft ausgelebt durch Verstecken und Erstarren hinter dem Rednerpult. Hier kann mir nichts passieren. Richtig, die Menschen sehen den Redner nicht. Wer Menschen begeistern, also im Gehirn etwas verändern will, muss für die Spiegelneurone des Auditoriums sicht-, hör- und fühlbar sein. Redeangst blockiert, ein bisschen Adrenalin darf schon sein. Muss sein, denn sonst bleibt von der Rede wieder nur emotionslose Schallübertragung übrig. Die gute Nachricht: Alle konnten einmal brillant vor Publikum reden! In meinen Seminaren und Coachings entdecken es die Menschen wieder. Aber Achtung: einmal wieder aus der negativen Emotionsverpackung ausgewickelt, macht das Menschen durch Reden begeistern süchtig! Die Liebe zum Begeistern anderer Menschen ist tief in unserem Stammhirn verankert und manchmal eben nur etwas verschüttet.

Rhetorik ist ein Handwerk
Für das Reden vor vielen Menschen muss man kein Talent haben. Es schadet natürlich auch nicht. Aber was ist in diesem Fall ein Talent? Eigentlich bedeutet Redetalent nur, dass einem das Reden weniger vermiest worden ist, als anderen. Gekonnt haben wir es alle einmal. Die Fähigkeit gehört zur Grundausstattung des Menschen und ist keine Zusatzausstattung für Luxusvarianten von Menschen. Wirkungsvoll zu vielen Menschen sprechen ist ein Muss für jede Führungskraft. Der Energieaufwand für Vermeidungsstrategien übersteigt bei weitem das Ausgraben der sowieso vorhandenen Fähigkeit in meinem Rhetorik Seminar. Mit drei Tagen Lachen ohne Ende mit vielen Gleichgesinnten findet jeder Teilnehmer wieder seine nur etwas verstaubten Redetalentneuronen. Auch die Introvertiertesten oder gerade die Intros finden wieder zur Liebe des Sprechens vor Menschen zurück, denn deren Reden sind beim großen Finale meistens sogar die besten. Letztendlich ist das Wiedererlernen des Redens vor großem Publikum nur ein emotionales Umverdrahten der Neuronen im Hirn. Und dafür gibt es Werkzeuge.

Kommentare sind geschlossen