NEURONALES FÜHREN

In den Gehirnen der Menschen liegt das Unternehmen
Längst sind die Zeiten des allwissenden Chefs vorbei. Praktisch branchenunabhängig steigt der Druck auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und das über alle Hierarchieebenen hinweg. Gerade Führungskräfte müssen in immer kürzerer Zeit und mit weniger vorliegenden Informationen Entscheidungen treffen. Heute ist das gesamte Wissen des Unternehmens auf die Mitarbeiterköpfe verteilt. Die wahren Abenteuer sind im Kopf und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo! André Hellers Lied hat auch für Unternehmen immense Bedeutung. Es gibt immer weniger Tätigkeiten mit kurzen Einarbeitungszeiten. Digitale Wissensmanagement-Systeme speichern zwar viel Unternehmenswissens, jedoch sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich zur richtigen Zeit mit den richtigen Kompetenzen und voller Engagement selbstmotiviert einsetzen durch kein anderes System zu ersetzen. Wissen, Kompetenz, Engagement und Motivation sitzen in den Gehirnen der Menschen. Es ist höchst an der Zeit, sich mit dem Gehirn für den Erfolg des Unternehmens zu beschäftigen.

Qualitätssicherung ist gut, Kultur ist besser
Management mit Prozessen, Qualitätssystemen, Arbeitsanweisungen und Ablaufsteuerungen sind in einem kaum zu übertreffenden Reifegrad entwickelt. Gutes Management ist eine notwendige Voraussetzung für unternehmerischen Erfolg. Aber die Entwicklung geht weiter. Der nächste große Entwicklungsschub für Unternehmen wird das Formen einer schlagkräftigen Leadership Kultur werden, damit die Werkzeuge des Managements von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als Mittel zum Zwecke des Erfolgs eingesetzt werden und nicht als Pflichterfüllung. Das bloße Ausfüllen von Listen, um Audits zu überstehen und Zertifikate zu bekommen, erzielt die Wirkung nicht. Erfolgreiche Firmen etablieren schon jetzt eine Unternehmenskultur, die die Menschen in leistungsfähige Betriebszustände versetzt, die nach der täglichen Umsetzung von Projekten abends zwar müde aber nicht verbraucht sind. In solchen Firmen steigert sich deren Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit über die Jahre immer mehr anstatt abzunehmen. Was für technische Maschinen unmöglich ist, ist den Menschen praktisch in die Wiege gelegt. Es gilt für Führungskräfte aller Hierarchien, die Potentiale der Menschen zu entfalten. Viel liegt in den Gehirnen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch Missmanagement brach. Die Kunst menschlicher Führung ist es, die Potentiale aus den neuronalen Verknüpfungen der Menschenhirne in die reale Welt zum Vorschein zu bringen und für den Erfolg zu nutzen.

Fehlbedienung von Menschen macht krank
Fehlbedienungen mit einem Betrieb außerhalb der Betriebsgrenzen von technischen Maschinen verkürzen deren Lebensdauer oder machen diese gleich kaputt. Auch Fehlbedienungen von Menschen verkürzen deren Lebensdauer oder machen sie gleich kaputt. Das zeigen die Ergebnisse von Studien über menschliche Führung weltweit. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind viel zu oft demotiviert, unzufrieden oder kündigen im schlimmsten Fall von innen heraus. Geklagt wird über gefühlten oder tatsächlichen Stress. Beides hat die gleiche zerstörerische Wirkung auf die Bauteile des Menschen. Burnout und Depressionen in der Arbeitswelt nehmen trotz besserer physischer Arbeitsbedingungen kontinuierlich zu. Damit werden jährlich enorme Vermögenswerte für Unternehmen und die Lebensqualität für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vernichtet. Das muss nicht sein. Skurrilerweise wollen das beide Seiten nicht. Wird hier etwas übersehen?

Führungskräfte von Neuronen im Aufbruch
Gehirngerechtes oder neuronales Führen, wie ich es aufgrund des Aufbaus des Gehirns nenne, steht gerade am Beginn einer neuen Arbeitswelt. Führungskräfte beeinflussen mit ihrem Verhalten immer die Neurone und den chemischen Cocktail der Teammitglieder. Im Idealfalls so, dass die generierten Handlungen der Menschen mit dem Unternehmenszweck und mit den immanenten Bedürfnissen jedes einzelnen weitestgehend im Einklang steht. Sich voller Begeisterung für ein Projekt, ein Ziel, ein ganzes Unternehmen einzusetzen heißt nicht, sich zu jeder Stunde in Tschakka-Tschakka Extase zu befinden. In einer be=geisternden Unternehmenskultur nehmen Teammitglieder auch extreme Strapazen auf sich. Und trotzdem befinden sich die Menschen in solchen Firmen in einem Betriebszustand des psychologischen Flows, wie er aus der Welt des Sports bekannt ist. Die Kraftkammer ist Strapaze, aber das große Ziel, bester des Wettbewerbs zu werden, treibt die Menschen wie von Geisterhand an. Diesen Flow wünschen sich Führungskräfte wie deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aber wie baut man eine Umgebung, in der Menschen voller Elan Strapazen auf sich nehmen und dabei noch über das Unternehmen ins Schwärmen kommen?

Neuronales Führen ist die Zukunft
Es sind immer die Führungskräfte, die die Kultur einer solchen Umgebung schaffen. Manche sind hierfür talentiert und können gar nicht begründen, warum es in ihrer Organisation nur so „flowt“. Andere bemühen sich redlich und es gelingt einfach nicht. Führungskräfte beeinflussen Gehirnstrukturen des Menschen, die teilweise tief im inneren liegen und stammesgeschichtlich uralte Grundbedürfnisse des Menschen ansprechen. Wenn diese „Bauteile“ und deren Wirkungen verstanden werden, lässt sich eine gehirngerechte Führung lernen und eine Flowkultur aufbauen.

Die wichtigsten Strukturen, die Führungskräfte ansprechen sollten sind

  • das Belohnungssystem
  • das Emotionssystem
  • das Erinnerungssystem
  • das Entscheidungssystem

Bildlich gesprochen, können Führungskräfte auf diesen vier Tasten des Gehirns ein begeisterndes Stück spielen, dessen Klänge wohltuend aufbauen und immer mehr Menschen anlocken oder das gesamte Auditorium durch krankmachende Misstöne vertreiben. Um auf diesem geistigen Klavier ein Führungsvirtuose zu werden, muss man kein Jahrhunderttalent haben. Bekommt man Noten und einen Lehrer an die Hand, gelingt das auch ohne absolutes Gehör. Wie bei allen antrainierten Fähigkeiten ist permanentes Üben auch beim Perfektionieren neuronalen Führens Voraussetzung.

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